Mein Audi 80

Zum Audi kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich dreht sich ja bei mir alles um die weiß-blaue Marke, aber als ein Arbeitskollege einen cayenneroten Audi 80 mit zur Arbeit brachte und diesen los werden wollte, konnte ich nicht nein sagen. Der optische Zustand der Karosserie ist zwar eher als erbärmlich einzustufen, aber es gibt kaum Rost, die Rohkarosse ist wirklich in sehr gutem Zustand, ein Auto, zu schade für die Schrottpresse. Ich kann einfach nichts wegwerfen.

Audi 80 B3 Typ 89
Der Audi direkt nach der Übernahme. Logo fehlt, Stoßfänger verblichen.

Eine neue HU zu erringen bot allerdings einige Hürden: Die Manschette der Abtriebswelle war undicht, der Motor lief komplett unrund, dank des fürchterlichen Pierburg 2EE Vergasers und alle Dichtungen waren so ausgehärtet, dass das Öl aus allen Ritzen lief.

Audi 80 B3 Typ 89 Motorraum
Laub, Öl, Sand. Hier hat sich lange keiner mehr gekümmert.

Immerhin, der Innenraum ist in gutem Zustand, nur der Himmel muss ordentlich gereinigt werden.

Innenraum Audi 80 B3 Typ 89
Keine Ausstattung. Den muss ein Buchhalter bestellt haben.

Was ich zu Anfang noch als ein Projekt ansah, was binnen ein paar Wochenenden über die Bühne zu bringen wäre, entpuppte sich dann schnell zu einer Teilrestauration.

Kabelchaos im Audi
Hier hat jemand irgendwelche Kabel gelegt.

Das begann damit, dass ich „schnell“ ein anderes Radio einbauen wollte. Ich musste aber feststellen, dass es gar keinen Radio Kabelbaum gibt. Es wurden von einem der Vorbesitzer einfach zwei Leitungen zur Batterie gelegt. Viel zu lang, ohne Sicherung und völlig wirr und lose verlegt. Beschriftungen oder verschiedene Kabelfarben Fehlanzeige.

Batteriekasten Audi 80 B3 Typ 89

Also musste ich bei null starten. Kabel ziehen, Sicherungen setzen, Stecker besorgen, vercrimpen und in den Innenraum legen. Jetzt hat man zumindest zwei Iso-Anschlüsse. Die Lautsprecher klingen fürchterlich, da müssen noch dringend andere rein.

Der Schaltsack war total zerstört und konnte schnell durch einen neuen ersetzt werden. Die Rücksitzbank wollte ich eigentlich nur absaugen, musste aber feststellen, dass das Polsterteil total nass ist. Wahrscheinlich hat hier immer ein Hund gesessen (eine Leine war noch in Auto und viele feine, weiße Haare) und einfach gepinkelt. Zumindest stank die Bank auch danach. Also musste der Bezug runter, in die Wäsche (das Wasser war dunkelbraun) und ein gebrauchtes Polsterteil besorgt werden. Wieder viel mehr Arbeit, als avisiert.

Motorraum Audi 80 B3 Typ 89
Sauber machen und Bestandsaufnahme durchführen

Weiter ging es mit dem Motor. Alles war ölverschmutzt, sowohl die Ventildeckel- als auch Ölwannendichtung waren komplett ausgehärtet. Weil schon Öl auf dem Ansaugkrümmer stand, hatte ich geplant, diesen auch auszubauen und neue Dichtungen einzusetzen.

Weil der Krümmer aber nur schwer zu entfernen war, hatte ich mich entschieden den Zylinderkopf komplett abzunehmen. Was ich dann im Kopf vorfand, war erstmal ein Schock, alles voller Ölschlamm. Das Serviceheft des Audis lügt also nicht, der letzte Service muss eine halbe Ewigkeit her sein.

Ab da war klar, das wird nun eine größere Baustelle.

Audi 80 B3 Typ 89
Mehr Arbeit als gedacht.

Nun war klar, es gibt nur zwei Möglichkeiten: Abbrechen oder das Ding durchziehen.

Also musste erstmal ordentlich Zeugs bestellt werden, um alles technische fertig für die HU zu machen.

Als erstes ging es an den Zylinderkopf. Nach der Reinigung stand fest, der ist nicht mehr zu retten. Alufraß an den Kühlmittelkanälen hatte dem Kopf ordentlich zugesetzt.

Nachdem ich mir einen Austausch Zylinderkopf organisiert hatte, wurde dieser komplett zerlegt. Die Tassenstössel und Ventilschaftabichtungen wurden erneuert und die Ventile neu eingeschliffen.

Dann wurden Ansaugkrümmer und Ventildeckel überarbeitet. Den Deckel habe ich pulverbeschichten lassen, den Krümmer mit Aluspray und hitzebeständigem Klarlack lackiert. Der Kühlwasserstutzen war auch nicht mehr zu retten, auch hier war Lochfraß am Werk.

Anschlussstutzen Audi PP Motor

Das Ergebnis war optisch schon einmal gut. Auch Motorhalter, Ölfilterstutzen und Kühlmittelpumpe wurden erneuert und lackiert. Der Vergaser musste gereinigt werden und einen neuen Stutzen bekommen. Die defekten Bauteile konnte ich aus einem zweiten gebrauchten Pierburg 2EE Vergaser umbauen.

Der Zug für die Ansaugluftvorwärmung war ausgehakt und musste wieder befestigt werden. Eine Prüfung aller Unterruckdosen ergab, dass hier alles in Ordnung war.

Am Vergaser wurden dann noch alle Gummiteile und Schläuche ausgetauscht, hier war nach 30 Jahren nichts mehr zu retten.

Zwischenzeitlich mussten auch noch ein paar Details erledigt werden. Im Auktionshaus konnte ich brandneue Nebelscheinwerfer auftreiben. Eine passende Stoßstange suche ich noch.

Zeitgenössisches Zubehör liebe ich immer, also musste ich noch einen Feuerlöscherhalter nachrüsten. Das ist einfach typisch 80er. Die fehlenden Audi Ringe konnten bei Audi Tradition bestellt werden und es wurden Zusatzarmaturen nachgerüstet. Jetzt ist die spartanische Ausstattung nicht mehr ganz so spartanisch.

Dann konnte der Zylinderkopf wieder aufgebaut werden. Der Zahnriemen war auch völlig am Ende und musste dringend gewechselt werden.

Jetzt müssen noch vier Reifen besorgt werden, die passenden Felgen habe ich mir ebenfalls bei Audi Tradition besorgt.

Audi 80 Felge